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Steil, steiler, am steilsten: Skifahren auf dem Stoos - Weltrekord inklusive

Corinne, Mami von 2 Kindern (5 und 10 Jahre):

"Von Zürich aus sind einige Skigebiete in weniger als 70 Minuten erreichbar und versprechen der ganzen Familie einen unvergesslichen Tagesausflug mit viel Spass auf den Ski oder dem Schlitten. Genau solch eines muss heute her - bei unserer Recherche stossen wir auf das Skigebiet Stoos, uns das tönt vielversprechend: Nur eine Stunde Fahrzeit, autofrei und gleichzeitig erleben wir heute auch noch einen Weltrekord: Wir fahren mit der steilsten Standseilbahn der Welt. Überzeugt, einen Tag vor Silvester machen wir uns auf den Weg.

 


Der Berg ruft: Unser Skitag auf dem Stoos

Puuuh kennt Ihr das: Packen für einen Tag Skifahren. Kurz spiele ich mit dem Gedanken, das Projekt "Tagesausflug auf den Stoos" abzubrechen. Tonnen an Klamotten und Utensilien: Skihelm, Skibrille, Handschuhe, Hose, Mütze, Thermounterwäsche, Skisocken, Skischuhe, Rucksack für die Piste, Getränk für Zwischendurch, Sonnencrème (haha - wieso ich lache - dazu später) und wo um alles in der Welt sind die Skistöcke der Kleinen abgeblieben... Bei uns zu Hause sieht es gerade aus, als würden wir auswandern, bestenfalls für einen Monat verreisen.

Meine Laune lässt zu wünschen übrig, jene unserer Kleinsten leider auch: "Mami, die Socke biiiessed", "Mami, d'Skibrülle isch mir viel z'eng", "Mami ich will lieber de rosaroti Pulli alegge... "Mami, Mami, Mamiiiiiiii !!!"


Irgendwie überwinden wir dieses "ach-so-gefürchtete-Szenario" dann doch und fahren los. Kurz nach Abfahrt entspannt sich die Atmosphäre schnell und wir freuen uns auf was da kommen mag.

Der erste Pluspunkt ist gefunden: Nur 65 Minuten später (das macht wirklich Sinn für einen Tagesausflug) parkieren wir auf dem Parkplatz vis-à-vis der neuen Standseilbahn, welche Mitte Dezember offiziell eingeweiht wurde. Ein richtiges Ereignis denn es handelt sich bei der Standseilbahn von Schwyz nach Stoos, um die steilste der Welt.

Good to Know: Das autofreie Bergdorf Stoos ist nur über die Standseilbahn oder die Luftseilbahn erreichbar.


Tipps:

Bei gutem Wetter (leider ist dies heute so gar nicht der Fall) empfiehlt es sich vor 9 Uhr dort zu sein, danach ist man definitiv nicht mehr alleine und muss unter Umständen lange auf einen Platz in der Bahn warten.
Mit dem Auto direkt vor den Eingang der Talstation fahren, Ski's & Co. deponieren, erst danach das Auto parkieren.

 

Auch Pluspunkt Nummer zwei - einer für mich - lässt nicht lange auf sich warten: Vor dem Eingang zur Station fällt meinem geschulten Auge ein äusserst informatives Schild auf. Ich lasse alles und alle stehen und wende abrupt nach links...

Fünf Minuten später bin ich - strahlend und mit einem dampfenden Latte Macchiatto gerüstet (jetzt kann der Tag beginnen) - zurück und wir schlendern zur Kasse.
Bemerkung: Die Bahn fährt alle 30 Minuten. Zum Fahrplan...

Weiter gehts mit Pluspunkt Numero 3: Skifahren mit der Familie ist teuer. Wir überlegen darum immer sehr genau, ob wir auf einen Tagesausflug aufbrechen oder doch lieber zu Hause bleiben. Für eine Woche Skiferien muss lange gespart werden. Umso überraschter bin ich beim Begutachten der Preisliste. Fr. 50.- pro Erwachsene oder dann die Tageskarte für 2 Erwachsene und alle Kinder bis 16 Jahre für Fr. 126.-. alle Bahnen inklusive. Ein Angebot das sich sehen lässt und ich unbedingt meiner Freundin Daniela erzählen muss, die sich gerade gestern laut schnaufend über die Preise für Winterferien empört hat.

Die neue Standseilbahn

Wir sind gespannt, neugierig und können es kaum erwarten, dass sich die Türen endlich hinter uns schliessen. Und dann fährt sie los. Wir haben uns den besten Platz - am Fenster mit Sicht ins Tal gesicher. Von 562 Metern über Meer geht es nun hoch auf 1306 Meter. Insgesamt 136 Personen passen in einen der Wagen. An der steilsten Stelle weist die Bahn eine Neigung von bis zu 110 Prozent auf, das ist WELTREKORD!. Weit unter uns entdecken wir unser Auto, es wird kleiner und kleiner und wir immer stiller und stiller. Keine Frage: Die Fahrt mit dieser top-modernen Standseilbahn ist ein Abenteuer. Die Reise hat sich schon jetzt gelohnt.

Rund vier Minuten ist die Standseilbahn unterwegs.

Oben angekommen wird unsere Befürchtung bestätigt: Das Projekt Skifahren müssen wir wohl oder übel auf später verschieben. Es regnet wie verrückt. Na hallelujaaaa. "Wer hat heute den Wetterbericht gecheckt?" (Es wäre soso einfach gewesen: Link zum: Wetterbericht Stoos). Was ich aber trotzdem sehen kann und super finde: Gleich nach Ausgang kann/könnte man sich die Skier anschnallen und bis zum nächsten Lift gleiten, der keine 50 Meter entfernt ist. Mit Kleinen kindern so viel einfacher als mühsames Herumgeschleppe und lange Wanderschaften.

In der Bergstation ist ein offener, heller und sehr einladender Laden entstanden in dem so ziemlich alles was man für den täglichen Alltag benötigt vorhanden ist. Wir retten uns vor dem Regen nach drinnen und schauen uns um. Frisches Brot und Brötchen, Zeitungen, Gemüse, Früchte, Tiefkühlprodukte und sogar Platten für das traditionelle Fondue-Chinoise können hier bestellt werden. Verhungern muss mal in einer Ferienwohnng auf dem Stoos nicht. Gleich daneben befindet sich der Skiverleih - auch hier ist alles, inkl. Schlittenverleih (Fr. 8.-/Tag - solch einen mieten wir sogleich spontan), vorhanden was man für die Piste braucht.

Irgendwann können wir es aber nicht mehr länger aufschieben und wir müssen wieder raus. Die Sonne lässt nach wie vor auf sich warten - und wie. Soweit das Auge reicht: Nebel und Regen. Das haben wir ja perfekt geplant.

Aber wie sagt man so schön, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Und hier sind wir wirklich auf der sicheren Seite. Gut und wasserfest eingepackt marschieren wir los. Die nette Verkäuferin - allgemein ist zu betonen, dass uns hier bis anhin ausschliesslich sehr freundliche und zuvorkommende Menschen begegnet sind - hat uns die Stoss Hüttä empfohlen. So stapfen wir los, immer das Ziel einer scheinbar gemütlichen "Stube" vor Augen.

Mittagessen in der Stoos Hüttä

Es hat sich gelohnt ihrem Rat zu folgen. Tropfnass treten wir ein, werden drinnen von einem warmen  Kaminfeuer empfangen, der Tisch am Fenster mit Sicht aufs - zur Zeit leider komplett im Nebel liegende Dorf Stoos und den grossen Mythen - gehört uns. Bei guter Sicht muss es ein Traum sein.

Die nassen Kleider hängen wir auf, Berghütten-Feeling kommt spätestens mit der warm dampfenden Ovi vor unserer Nase auf. Die Finger lassen sich wieder bewegen.

Und auch mein Lieblingsplatz im Restaurant ist schnell gefunden:

Von Langeweile keine Spur. Die Girls haben eine Spielkiste entdecken und spielen mit Kindern vom Nachbarstisch. Auch eine Stunde später fühlen wir uns noch pudelwohl.

Der Regen hat immer noch nicht nachgelassen und wir entscheiden eine Kleinigkeit zu essen. Gulaschuppe, Käsespätzle und das Wiener Schnitzel schmecken uns hervorragend. Der Service auch hier ist unglaublich herzlich und bemüht.

Bei besserem Wetter kann man draussen auf den Sonnenliegen die besondere Aussicht geniessen und die Kinder auf dem Kinderspielplatz spielen. Beim nächsten Mal.


Hotel inklusive

Als ich von der Bedienung erfahre, dass in diesem Restaurant auch zehn Zimmer für Übernachtungen zur Verfügung stehen, davon sechs für Familien ausgelegt, werde ich neugierig. Die Besitzerin gewährt mir einen Einblick. Ich finde sie wunderhübsch. Sie sind zwar nur klein, versprühen aber einen wunderbar gemütlichen, einladenden Charme, die Kinder finden die Doppelbett-Hochbetten natürlich der Hit "Mami, schlafed mir da.... Wenn, wenn, wenn?", ich bin bezaubert vom grossen Panoramafenster. Diesen Tipp were ich mir merken. Evtl. für ein Wanderwochenende im Sommer oder gar ein "Auszeitsweekend für GG und mich", toll wäre es auch einmal Silvester hier zu verbringen... An Ideen und Möglichkeiten fehlt es schon mal nicht.

Mehr Infos dazu...

Eigentlich könnten wir den ganzen Tag hier drinnen verbringen. Als der Regen irgendwann aber wenigstens ein bisschen nachlässt motivieren wir uns nach draussen. Wir schlitteln zurück ins Dorf - eigentlich stand der 2 km lange Schlittelweg mit Start auf dem Fronalpstock auf dem Programm, aber auch dieses Vorhaben fällt heute buchstäblich ins Wasser. Unterwegs bauen wir einen kleinen Schneemann und die Kids kraggseln kreuz und quer durch die Schneelandschaft.

I like: Den Girls scheint das schlechte Wetter nur wenig auszumachen. Sie fühlen sich pudelwohl und trotzen Wind und Regen.


Alles fahrt Schiii - Alles fahrt Schiii

Starke Windböen sind die Folge, dass unterdessen bereits viele Skilifte geschlossen wurden. Ein paar wenige sind noch geöffnet und wir beschliessen - wenn schon denn schon - dem Wetter zu trotz - noch ein zwei Abfahrten zu machen.

Auch ich nutze meine Chance endlich mal wieder auf den Brettern zu stehen. Ob das gut kommt, nach über drei Jahren Pause… Oh weh. Ich erwische mich beim Gedanken umzukehren und doch besser auf dem Anfängerhügel weiter unten zu üben. Aber irgendwie, denke ich mir intuitiv, komme ich da schon runter. Also nichts wie los meinen Lieben nach. Und tatsächlich, es ist wie beim Fahrradfahren. Ich wollte es meinem Mann nicht glauben. Aber er hatte recht "für einisch".

 

Die Pisten sind absolut famileingeeignet, es ist für alle etwas dabei. Grosser Bonus: Heute gibts weder lange Warteschlangen noch Gedränge. Ganz gut gefällt mir, dass man seine Sprösslinge hier jederzeit gut im Auge behalten kann, man kann Kinder auch gut mal voraus fahren lassen, die Grössere kann alleine fahren und man trifft sich wieder unten am Lift. Die Girls finden das Starthäusschen für Kleine Rennfahrer toll, hier wird die Zeit gemessen und wir starten ein kleines familieninternes Wettrennen.

Kurz vor der Heimreise bummeln wir durch das kleine, autofreie Dörfchen Stoos. Dabei kommen wir an der Langlaufloipe und dem kleinen Stoos See vorbei, in dem man im Sommer baden und fischen kann. Und wir entdecken diesen kleinen, süssen (?) Kerl, der umbedingt aufs Foto wollte:

Tja, auch nach 16 Uhr regnet es immer noch, langsam wird es auch dunkel und wir beschliessen die Rückreise in Angriff zu nehmen.

Die Standseilbahn wartet bereits auf uns und auch dieses Mal geniessen wir die spektakuläre Fahrt sehr. Ein Bahnbegleiter erklärt unseren Kindern die vielen leuchtenden Knöpfe und lässt sie den Schlüssel drehen um die Türen unten angekommen wieder zu öffnen. Läuchtende Augen garantiert.

 

Zurück beim Parkplatz dürfen wir dann noch etwas schaufeln, schliesslich haben wir uns heute nicht ganz so sportlich betätigt, wie geplant. Wir feuern GG tatkräftig an, schiessen Fotos (er ist mässig amuesed), und helfen anschliessend auch noch Herrn Müller vom Nachbarsparkplatz aus den Schneebergen.

Mein Fazit

Klein und fein ist nur eine Seite der Medaille dieser Skiregion, die wahre Grösse erschliesst sich in der ausgesuchten Familienfreundlichkeit und der lukrativen Preisangebote.

Trotz Regenwetter können wir die Skiregion Stoos-Muotatal auf jeden Fall empfehlen. Stoos ist ein kleines, autofreies (ich liebe autofreie Orte) Skidorf auf 1300 Meter über Meer. Hier gibt 8 Sessellifte inkl. Zauberteppich, 35 km Pisten,Kinderpisten, Freeride-Touen, Ski- und Snowboardverleiher und diverse Unterkünfte von einfach bis luxuriös...  Sehr praktisch: in weniger als einer Stunde ab Zürich - toll - erreicht man die Talstation der längsten Standseilbahn der Welt, perfekt also auch für einen Tagesausflug geeignet. Die Fahrt mit der Standseilbahn ist imposant und wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Erwähnenswert sind die durchwegs freundlichen und sehr hilfsbereiten Mitarbeiter, sei es bei den Bahnbetrieben, im Restaurant, auf der Piste... Man fühlt sich willkommen und gut aufgehoben. Die Pisten sind familienfreundlich, für jeden ist etwas dabei. Die Preise sind fpositiv erwähnenswert, toll das Kinder bis 16 Jahre kostenlos fahren.

 

Wir kommen auf jeden Fall wieder, nicht aber ohne vorab den Wetterbericht ganz genau studiert zu haben. Unbedingt möchten wir auch einmal die beleuchtete Pisten zum Nachtschlitteln ausprobieren. Aber auch im Sommer muss die Region wunderbar sein. Der Themenweg der "Moorwanderung" muss für Familien ideal sein. Die Erzählung einer einheimischen an der Station kennen gelernten Frau hat mich zudem auf die familientaugliche Gratwanderung aufmerksam gemacht, die mich gluschtig gemacht hat.

Anreise & Info:

Der Stoos ist autofrei und nur mit der grossen Standseilbahn Schwyz-Stoos oder mit der kleineren Luftseilbahn Morschach-Stoos erreichbar. An Feiertagen und schönen Wochenenden wird eine Anreise mit der Standseilbahn Schwyz-Stoos empfohlen. Parkplätze sind an der Talstation der Standseilbahn Schwyz-Stoos vorhanden.

Informationen über die Region: Link...