Ausflug ins Fifa World Football Museum

Corinne, Mami von 2 Kindern (7+12): Unsere Tochter liebt alles rund ums Thema Fussball und spielt selbst seit einigen Jahren im F15 bei uns in der Region. Ich liebe es, ihr beim Spielen zu zuschauen und finde es toll, wie der Frauenfussball wächst und es immer mehr junge Mädchen gibt, die Fussball spielen. Es wurde also höchste Zeit, einen Ausflugsort, der schon lange auf unserer Bucketlist steht zu besuchen.


Ausflug ins Fifa World Foodball Museum in Zürich

So haben wir uns also letztes Wochenende auf den Weg ins Fifa World Football Museum nach Zürich gemacht.

 

Das Kombiabo von SBB Railaway (Zum Angebotsübersicht...) beinhaltet die Anreise mit der Bahn, sowie den Eintritt ins Museum, das lohnt sich bei vier zahlenden Personen auf jeden Fall, das Haushaltsbudget dankt's. Zudem schätze ich Zugfahrten mit meiner Familie jeweils sehr: Wir haben bewusst Zeit füreinander, diskutieren und plaudern über Sachen, die sonst irgendwie zu kurz kommen, packen unsere Uno-Karten aus, essen ein mitgebrachtes Znüni und geniessen die Fahrt ohne Stau, Rotlicht und falsch eingestellte Navi-Funktionen (liebe Grüsse an dieser Stelle an GG…).

Kurzes „PS“ für einen sentimentalen Moment: Als die Mädchen klein waren haben wir Papi abends oft am Bahnhof abgeholt. Ich liebte diese Stimmung, die Kinder voller Vorfreude auf den heranrollenden Zug, die vielen Menschen, Begegnungen, Wege die sich trennen, Begrüssungen… Heute holen wir Papi nur noch selten ab (wieso eigentlich?), aber ich ertappe mich immer mal wieder auf dem Bahngleis am Fotos von Gleis und Co. zu machen. Wie ich finde, eine wunderschöne und fotmals emotionale Kulisse.

Unsere Tochter kennt sie alle: Ronaldo, Messi, Götze (da kann ich grad noch so mithalten), aber bei Alves, Penedo, Baloy und Co hört mein Wissen auf, bei den Spielregeln (heute gelernt: der Regelkatalog des Deutschen Fussball-Bundes ist 120 Seiten lang – whaaatttt?!) diskutiere ich gar nicht erst mit. Die einzigen zwei Regeln – immerhin zwei - die ich aus dem „FF“ kenne sind gerade mal die folgenden:

  • die Trikots müssen bei Spielanpfiff in der Hose stecken und
  • wann es in etwa zum Elfmeter schiessen kommt.

Apropos Elfmeter, heute gelesen: Wahnsinnige 44 Rekordmale mussten die Fussballer bei einem argentinischen Ligaspiel 1988 zum Elfmeterschiessen antreten, bis endlich die Sieger feststanden.

 

Aber wo waren wir stecken geblieben? Dass es ihr und meinem Mann im FIFA Headquarter gefallen würde stand ausser Frage, ich fragte mich jedoch, wie die Kleine und ich die liebe lange Zeit dort verbringen sollten. Soviel vorneweg: Dieses Problem stellte sich als komplett unbegründet heraus.

 

Ab Zürich HB geht es nach einem kurzen Bummel entlang der Bahnhofstrasse und einem Abstecher zum wohl grössten „Schoggibrunnen“ der Schweiz (Bemerkung: er befindet sich gut versteckt im 2. Stock der Bachmann Confisserie; unbedingt kurz rein schauen und bei dieser Gelegenheit auch gleich einen so feinen – für kleine Gäste kostenlosen – Schoggibecher degustieren).

Weiter geht es per Tram bis zum Tessinerplatz (direkt beim Bahnhof Enge). Keine fünf Minuten später erreichen wir unser Ziel, das Gebäude ist nicht übersehbar und aussen (wie innen) eine architektonische Meisterleistung.

Noch nicht mal beide Füsse in der Halle, da musste auch schon ein erstes Selfie her, die Tochter besteht drauf. Der Eingangsbereich ist imposant und umwerfend zugleich. Ich stehe für einen Moment einfach nur da und staune.

Währenddessen diskutiert der Nachwuchs, ob sie ihre Jacken in den Garderobeschrank von Pelé oder doch lieber bei Ronaldinho deponieren sollen.

 

An der Kasse erfahren wir, dass in fünf Minuten eine geführte Tour (kostenlos, täglich um 11 Uhr) durchs Museum startet, wir kommen also gerade rechtzeitig und entschliessen uns spontan, daran teilzunehmen. Eine gute Entscheidung und sehr zu empfehlen. Wir haben auf diese Weise sehr viel interessantes über Fussball & Co. erfahren, was uns sonst wohl vorenthalten geblieben wäre.

 

Die ganze Ausstellung ist unterhaltsam, sehr interessant und schön präsentiert. Keine Spur von trockener Materie und auch keinesfalls nur für Fussball-Liebhaber geeignet. Es gibt viel zu sehen, zu lesen, an Bildschirmen kann herumgedrückt, gespielt und ausprobiert werden. Es ist an vielen Orten erlaubt, die ausgestellten Dinge anzufassen und zu testen. So komme ich in den Genuss den Fussballschuh des legendären Spielers Lionel Messi, getragen an der WM 2014, anzufassen. Wow, da werd‘ sogar ich – also bekennender „Nicht-Fussball-Fan“ - ein bisserl nervös.

Die Grosse befindet sich derzeit im Fussball-Rausch, und fühlt sich hier schon fast wie Zuhause: „Mami, ich könnte Tage hier verbringen.“ Auch mir gefällt's. Weil es ein Museum zum Mitmachen und zum Anfassen ist. Weil man so viel testen, so viel experimentieren, so viel erleben und erfahren kann. Perfekt für kleine und grosse Kinder und für uns Erwachsene. Die Zeit vergeht wie im Flug.

 

Wir halten den ältesten Fussball der Welt in der Hand, bestaunen Fussballschuhe von der ersten WM, entdecken Zuschauerstühle aus dem Wembley Station von 1960, schiessen Selfies...

Wer findet den Unterschied?
Früher - Heute:

Ein Highlight ist natürlich der prominent in der Mitte des Raumes platzierte Weltmeister-Pokal, der im Juli 2019 wieder seinen Besitzer wechseln wird. Eine unglaublich imposante Trophäe die über 6 kg wiegt und aus 18 Karat Gold besteht. Nun verstehe ich, weshalb die Räumlichkeiten gut bewacht werden. Wir erfahren, dass die Gewinner den originalen Pokal nicht lange behalten dürfen, sie erhalten lediglich eine vergoldete Kopie mit nach Hause. Der Original Siegerpokal steht also fast das ganze Jahr zum Bestaunen hier in Zürich.

Wir knutschen das aktuelle FIFA-Maskottchen Zabivaka der Fussball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland und bestaunen die 211 ausgestellten Trikots. So viele Mannschaften versuchen also sich für die WM zu qualifizieren und wir lernen, die Trikots beinhalten Botschaften: Wusstet Ihr, dass man auf den Spieler-Trikots unter anderem erkennen kann, wie oft eine Mannschaft an einer WM bereits gewonnen – oder eben nicht – hat und es ein Land Namens *Dschibuti gibt, dass auch Mitglied der FIFA-Familie ist.

 

*Dschibuti, dieses Land musste ich einfach googeln. Dieses Land befindet sich in Ostafrika an der Meerenge Bab al-Mandab und grenzt im Norden an Eritrea, im Westen und im Süden an Äthiopien.

Derweil interessiere ich mich für die Timeline, welche die Geschichte des Fussballs erzählt. Auch hier erfährt man nebst den grossen Momenten so einige spannende Geschichten, die sich hinter den Kulissen abspielen, kleine Kostprobe: 1950 war es Indien nicht erlaubt, an der WM mitzuspielen. Sie wollten barfuss spielen, was klar gegen die FIFA Regeln spricht. Der mit 43 Jahren älteste Spieler an einer WM war der Torhüter Faryd Mondragon aus Kolumbien. Und wir bestaunden die Originaltrophäe der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft, welche es dieses Jahr an der Frauen-Weltmeisterschaft in Frankreich zu gewinnen gibt. Am 7. Juni efolgt der Anpfiff und ich werde mir das Spiel – spätestens nach heute hat es mich gepackt – auf jeden Fall anschauen. Was glaubt Ihr, wer gewinnt?


Vor einer weiteren, überdimensional grossen, Leinwand bleiben wir gebannt stehen. Menschen mit verschiedenen Schicksalen sprechen über ihre Leidenschaften zum Fussball. Die Geschichte von Eric Cantona berührt mich sehr.  Als er mit 10 Jahren erblindet, verkriecht er sich. Jahre später beschliesst er, das Beste aus seinem Leben zu machen. Heute ist Serdal Celebi berühmt: Für den FC St. Pauli läuft er in der Blindenfussball-Bundesliga auf. „Blind und Fussballspielen – ich dachte eigentlich, das ist unmöglich." Aber er gab nie auf. Er schafft es in die deutsche Nationalmannschaft und fuhr 2014, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zur Weltmeisterschaft nach Japan. Heute sagt er: „Blindenfussball ist für mich die grösste Freiheit überhaupt.“ Ich habe für diesen Menschen grösste Bewunderung und Hochachtung.

Die Mädchen starten anschliessend auf dem „Kids Trail“. An insgesamt 16 Stationen gilt es Rätsel zu lösen und so gleichzeitig spielerisch vieles rund um den Fussball zu erfahren.

Die Raley ist toll durchdacht, die Kleine (sie will später Detektivin werden) ist in ihrem vollen Element, sie liebt es und flitzt begeistert von Station zu Station, zeichnet, rätselt, analysiert und ich kann kaum glauben, was sie nach Absolvieren des Rundganges alles über den Fussball zu erzählen hat: „Mami, weisch, die rot Charte geht’s erscht sid 1970 und Brasilien hat bis jetzt die meisten WM-Spiele gewonnen, insgesamt 5x“. (Ahhaaa?!)

 

So viele spannende Geschichten und Rätseleien machen hungrig. In der obersten Etage des Museums befindet sich der FIFA-Shop (perfekt um gleich noch ein spezielles Geburtstagsgeschenk für meinen Fussballbegeisterten Göttibueb zu ergattern), gleich daneben das Bistro Number 10. In coolem Ambiente geniessen wir feine Snacks (Bemerkung: der Veggie-Burger schmeckt himmlisch!) und lassen es uns gut ergehen. Tipp an die Männer: Unbedingt in der Toilette vorbei schauen (GG war restlos begeistert, dass in der Mànner-Toilette die Treffsicherheit geübt werden kann und möchte nun auch unsere Toilette umfunktionieren. Hallelujaa.).

Allzu lange hält es uns nicht auf den Stühlen. Im zweiten Stock wartet ein Spielparadies und wahr gewordener Kinder (und Erwachsenentraum) auf uns. An diversen Stationen kann Treffsicherheit geübt werden, wir spielen miteinander, gegeneinander um vergleichen unseren Punktestand.

 

Der Ehrgeiz ist geweckt, und wir kämpfen uns von Station zu Station – restlos begeistert und happy. Unser absoluter Favorit: die Pinball-Maschine – eine Art überdimensionaler, begehbarer Flipperkasten – der uns nebenbei auch ganz schön ausser Puste bringt (Achtung: Suchtgefahrt).

 

Auch nach über einer Stunde haben wir noch nicht genug. Niemand motzt, niemand ist unzufrieden, niemand langweilte sich, niemand will heim. Der Parcours ist unglaublich toll gemacht und liess uns als Familie viel Spass haben und Zeit zusammen erleben. Echt toll.

Nachdem wir bereits viele Stunden im Innern des FIFA Museums verbracht hatten (ein Tag reicht dafür echt nicht, man bleibt ständig irgendwo hängen) schnappten wir noch etwas frische Luft (und einen wohlverdienten Kafi) am schönen Zürisee bevor es für uns hiess: Hauptbahnhof Zürich, alles einsteigen bitte, wir wünschen Ihnen eine gute Fahrt.

Wir hatten einen richtig schönen Tag. Einen Ausflug dorthin kann ich euch wirklich ans Herz legen. Ob mit kleinen oder grossen Kindern, oder auch ganz ohne. Für Fussball-Fans und auch für Laien wie mich.

 

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* Dieser Beitrag wurde realisiert auf Einladung SBB Railaway und vom Fifa World Football Museum.